Die Geschichte der Korkproduktion in Verbindung mit Nachhaltigkeit und fairem Handel

Portugal ist mit ca. 80% das größte Korkeichen Anbaugebiet weltweit. Die größten Korkplantagen Portugals findet man in der ländlichen Region des Alentejo im Süden des Landes. Seit Jahrhunderten befinden sich diese Grundstücke in privater Hand und so auch noch heute. Oftmals erstrecken sich diese Ländereien einzelner Familien über viele Hektar Land. Gewohnt wird dort im Hinterland noch zumeist in einfachen Lehm- oder Steinhäusern, teils mit eigenen Solaranlagen, da auch heute noch nicht jede Ecke in der Pampa mit Stromleitungen versorgt ist. Die Haupteinnahmequelle ist die Viehzucht und der Korkrindenverkauf.

Eine Korkeiche kann um die 200 Jahre alt werden. Der erste Korkrindenwuchs beginnt mit einem Alter von ca. 4 Jahren. Die erste Schälung der Bäume kann erst mit 25 – 30 Jahren beginnen. Allerdings ist dann die Rinde noch sehr grob, hart und unstrukturiert. Dieser Kork dient vorwiegend zu Deko Zwecken oder wird zu Granulat geschrotet. Eine gute, verarbeitbare Qualität bekommt man erst ab der 3. Schälung. Ein Baum gibt bei der Ernte etwa 50 kg zu verarbeitenden Kork her.

In der Regel wird die Baumrinde alle 9-10 Jahre bis zu einem Alter von ca. 150 Jahren geerntet. Danach ist die Eiche nicht mehr in der Lage guten Kork zu produzieren. So ist der Baumbestand schon seit Generationen eine wichtige Haupteinnahmequelle der Portugiesen. In Küstennähe, als auch im Landesinneren sieht man im Vorbeifahren immer wieder größere Bereiche mit Nachzuchten der Korkeichenbäume. Portugals Klima ist ideal für deren Wachstum und Gedeihen.

Weder wird bei der Korkernte eine Eiche gefällt, noch werden diese dabei beschädigt.

Die traditionelle Ernte besteht schon hunderte von Jahren und wird völlig manuell und in Handarbeit vollzogen. Ein spezielles Beil ist das einzige Werkzeug sowie menschliche Arbeitskraft. Die Schälung der Korkeiche erfordert besondere Kenntnisse und absolute Genauigkeit, welche seit Generation weitergetragen wird. Der Axthieb in den Baum muss exakt sitzen. Hierbei darf die dünne Mutterrinde welche Wasser und Nährstoffe transportiert, nicht beschädigt werden.

Diese Landarbeiter gehören zu den landwirtschaftlich bestbezahltesten Arbeitern.

Nach der Schälung wird der Rohkork in großen Stapeln ca. 6 Monate zur Trocknung draußen gelagert. Zur Weiterverarbeitung wird er dann in die Fabriken gebracht, wo er in großen heißen Wasserbecken „gekocht“ wird um ihm die Gerbstoffe zu entziehen und ihn weicher zu machen. Auch diese Fabriken sind Familienunternehmen seit Generationen. Hier arbeiten Frauen wie Männer gleichermaßen an Maschinen oder in Handarbeit. Kinderarbeit ist in Portugal verboten! Die Arbeitsbedingungen dort entsprechen dem europäischen Standard. Die Korkernte und Verarbeitung bietet vielen Menschen Arbeitsplätze und ihren Familien ein gesichertes Einkommen in Portugal.

Die Korkbäume bedürfen keiner chemischen Behandlung. Dies ist in Portugal auch gesetzlich verboten. Alleine die Beschneidung der Äste für ein besseres Wachstum der Bäume ist notwendig.

Wo früher in den Anfängen nur Eimer und Schüssel aus Kork gefertigt wurde, entstehen heute im Zuge der Industrialisierung Flaschenkorken, Fußböden, Angelruten, Dichtungen für den Automobilbedarf, Wärme- und Schalldämmplatten, Terrarien Rückwände und seit kurzer Zeit auch Taschen, Schmuck, Schuhe und sogar Designer Möbelstücke. Der Vielfalt dieses nachhaltigen Rohstoffes sind kaum Grenzen gesetzt.

Nach der Bearbeitung im Wasserbecken muss die Rinde abermals einige Wochen trocknen. Dann wird meist maschinell die äußere, als auch die innere Rindenschicht abgetrennt. Allein aus dem mittleren Teil, woraus auch Wein- und Sektkorken gestanzt werden, kann das „Korkleder“ für Taschen, Accessoires und Schuhe produziert werden. Die ca. 3-4 cm dicken Korkplatten werden mit scharfen Klingen zu sehr dünnen Schichten geschnitten und wie eine Patchworkarbeit durch Kautschukkleber miteinander verbunden. Ein textiler Baumwollträgerstoff wird dann noch zur Stabilisierung aufgebracht. Erst dann kommen die Designer und später die Näherinnen ins Spiel, die aus dem einmaligen Korkstoff einzigartige Kunsthandwerksstücke in Handarbeit erstellen. Diese kurze Beschreibung lässt das eigentliche arbeits- und kostenintensive Verfahren nur erahnen!

Kork ist ein nachwachsender Rohstoff und ein nachhaltiges Produkt!

Der Vielfalt an Verarbeitungsmöglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt und bis heute noch nicht erschöpft.